Reinigungs- und Gebrauchshinweise für Glasfilter und Glasfiltergeräte

Erste Reinigung
Vor dem ersten Benutzen sollten Glasfiltergeräte zunächst von Staub- und Schmutzpartikeln gereinigt werden. Hierzu wird heiße Salzsäure und anschließend in mehreren Schritten destilliertes Wasser durch die Filterplatte gesaugt.

Mechanische Reinigung
Glasfiltergeräte sollten sofort nach ihrem Einsatz gereinigt werden, um ihre Lebensdauer zu erhöhen. Sind die Poren der Filterplatte sauber, genügt es, die Oberfläche mit Wasser abzuspritzen und mit einem Pinsel oder einem Gummispatel zu reinigen. Sind die Poren verunreinigt, ist eine Reinigung mit Wasser oder Spüllösung in umgekehrter Filtrationsrichtung nötig. Dabei darf ein Wert von 1 bar nicht überschritten werden. Anschließendes umgekehrtes Durchblasen von reiner Luft trocknet und reinigt zusätzlich.

Chemische Reinigung
Sind nach erfolgter mechanischer Reinigung noch Poren verschlossen, ist eine sorgfältige chemische Reinigung angebracht. Je nach Verunreinigung sind unterschiedliche Lösungsmittel zu verwenden. Anschließend ist gründlich mit Wasser nachzuspülen.

Trocknung und Sterilisation
Um Spannungen zwischen Filter und Gefäß zu verhindern, sind Temperaturschocks zu vermeiden, die zum Bruch des Filtergerätes führen können. Die Erwärmung und Abkühlung von Glasfiltergeräten sollte deshalb langsam und gleichmäßig erfolgen.

Druck-/Vakuumbeständigkeit
Druck- und Vakuumbeständigkeit des Glases können materialbedingt nicht garantiert werden. Bereits kleinere Oberflächenverletzungen des Glases, z.B. Kratzer, führen zu einem Verlust der Festigkeit.

Temperaturbeständigkeit
Die höchstzulässige kurzzeitige Gebrauchstemperatur beträgt 500 °C. Abrupte Temperaturveränderungen sind zu vermeiden. Die Aufheiz- bzw. Abkühlgeschwindigkeiten für Borosilikatglas 3.3 sind zu beachten, um permanente Spannungen im Glas zu vermeiden.

Besonderer Hinweis
Bei Filtration von heißer, konzentrierter Phosphorsäure, Flusssäure und heißen Laugen ist eine Porenvergrößerung unvermeidbar. Diese Mittel greifen die Oberfläche an und sind daher als Reinigungsmittel ungeeignet. Außerdem verkürzen sie die Lebensdauer von Glasfiltergeräten erheblich.

Porositätsklassen
Glasfilter sind entsprechend ihrer Porenweite in die Porositätsklassen 0 bis 5 eingeteilt. Die Messung der Porosität erfolgt nach dem Blasendruckverfahren nach Bechthold. Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über die Porositätsbereiche sowie ihre Haupt­anwendungsgebiete, wobei sich die angegebenen Porenweiten immer auf die größte Pore der Platte beziehen. Die Porenweite kennzeichnet außerdem den Durchmesser der Teilchen, die bei der Filtration gerade noch zurückgehalten werden können.

PorositätISO 4793Nennweite der PorenAnwendungsbeispiele
0P 250160 – 250 µmGasverteilung, Filtration gröbster Niederschläge, Gasverteilung in Flüssigkeiten
1P 160100 – 160 µmGrobfiltration, Gasverteilung in Flüssigkeiten, grobe Gasfilter, Extraktions-Apparate für grobkörniges Material, Unterlagen für lose Filterschichten gegen gelatinöse Niederschläge
2P 10040 – 100 µmPräparative Feinfiltration, Quecksilberfiltration, präparatives Arbeiten mit kristallinen Niederschlägen
3P 4013 – 40 µmAnalytische Filtration, präparatives Arbeiten mit feinen Niederschlägen, Filtration in der Zellstoffchemie, feine Gasfiltration, Extraktionsapparate für feinkörniges Material
4P 1610 – 16 µmAnalytische Feinfiltration und Arbeiten mit sehr feinen Niederschlägen, Rückschlag- und Sperrventil für Quecksilber
5P 1,61,0 – 1,6 µmBakterien-Filtration, Steril-Filtration
Einflussfaktoren für Durchflussmenge und Druckabfall

• Maß des Filters
• Porosität des Filters
• Druck-/Saugverhältnisse in der Apparatur
• Physikalische Eigenschaften des Mediums

Die Anwendung von Glasfiltergeräten erfordert Kenntnisse der Porositätsklassen sowie der Durchflussgeschwindigkeit von Flüssigkeiten und Gasen. Mit den grafischen Darstellungen auf dieser Seite kann die benötigte Ausführung ermittelt werden (die Werte gelten für Platten mit einem Durchmesser von 30 mm und durchschnittlichen Eigenschaften in Bezug auf die tatsächlich genutzte Filterfläche sowie die Plattendicke und die mittlere Porengröße). Die Durchflussmenge anderer Plattengrößen wird durch Multiplikation des abgelesenen Werts mit dem angegebenen Umrechnungsfaktor ermittelt.

Luftdurchfluss in Relation zur Druckdifferenz
(Filterplatte Ø 30 mm)
Wasserdurchfluss in Relation zur Druckdifferenz (Filterplatte Ø 30 mm)
Umrechnungsfaktoren der Durchflussmengen
Filterplattendurchmesser (mm)10203040506090120175
Umrechnungsfaktoren0,130,551,001,502,504,306,809,7015,00